Kroatien 2003 - Törnbericht und Bilder

Murter - Šibenik - Kaprije - Kornat - Dugi Otok - Mali Lošinj - Sestrunj - Pašman - Murter

(13.09.2003 - 20.09.2003)


12.09.2003

Die Autos werden vollgepackt, die Plätze verteilt, die Reisegeschwindigkeit ausgehandelt.

Los gehts durch die Nacht...


13.09.2003

Samstag Vormittag: nur noch eine Klapp-Brücke trennt uns von der Insel Murter.

Wir vertreiben uns die Zeit...

...und überzeugen uns von der richtigen Segelausrüstung der Crew.

Als wir ankommen werden die Boote noch geputzt (nicht nur die Boote bieten einen schönen Anblick ;-)).

Der Skipper.

Nach ein paar Stunden warten und Erledigung der Provianteinkäufe können wir endlich an Bord (schon 2 Stunden vor dem vereinbarten Übergabezeitpunkt!). Wir erhalten von Ronny, dem technischen Betreuer des Schiffs, eine Einweisung und richten uns häuslich ein auf der "GALEA", einer Bavaria 50, Baujahr 1999.


14.09.2003

Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung von Skipper Karsten und Verteilung der Notrollen legen wir ab. Bei 4-5 Windstärken aus Nord-Ost...

...und wenig sommerlichen Temperaturen...

...üben wir die ersten Knoten...

...und machen unseren ersten Landgang in Šibenik. Wir bezahlen 105 Kuna (etwa 15 EUR), um für 2-3 Stunden im Stadthafen liegen zu dürfen.

Nach einer Höhlen-Expedition (wohl irgendeine alte Einrichtung der Marine) mit unserem Beiboot machen wir uns auf den Weg nach Kaprije.

Cuba Libre (auch schon an Bord) wird für uns zum Synonym für Lebensqualität, oder auch "Qualité de vie".

Nach geglücktem Ankermanöver kehren wir in der Konoba "Mackova Lula" ein. Wir verspeisen leckeren Fisch (Goldbrasse und Zahnbrasse; Drachenkopf war nicht zu bekommen) und machen erste intensive Erfahrungen mit dem kroatischen Weißwein "Malvazija", dem wir auch bei weiteren Konoba-Besuchen treu bleiben. Leider bezahlen wir fast 2000 Kuna (fast 300 EUR) für 10 Personen, es bleibt unser teuerster Konoba-Besuch.


15.09.2003

Die Wolken des vergangenen Tages haben sich verzogen, es verspricht ein sonniger Tag zu werden. Wir nehmen ein erfrischendes Bad in der Bucht von Kaprije (für die im übrigen wir keine Liegegebühr bezahlen mussten).

Der Wind hat etwas nachgelassen. Die ersten Noch-Nicht-Segler trauen sich ans Ruder.

Badestop in der Uvala Opat (Insel Kornat).

Lebensqualität.

Dank schlechtem Ankergrund (dünne Sandschicht auf Fels) gräbt sich der Anker nicht ein. Da wir die Festmachetonnen nicht benutzen wollen (sie gehören wohl zur Konoba Opat), bleiben wir in der Nähe des Boots.

Ein paar von uns besteigen den Opat und genießen die Aussicht.

Abends erleben wir den kulinarischen Höhepunkt unserer Reise: in Fischer Antes Konoba in Vrulje (Kornat) genießen wir Tintenfisch und Brassen.

Wir scheinen Ante sympathisch zu sein. Julian und Rose gewinnen bei einem Fesselspiel (mit unserer Hilfe) eine Flasche Malvazija. Wir bezahlen 1150 kn (etwa 16 EUR/Person) für reichlich Fisch und Wein, und Palatschinken als Dessert.


16.09.2003

Um fit für die Nachtfahrt zu sein stehen wir heute erst gegen 10 Uhr auf. Ein Boot der Kornati-Nationalpark-Crew stattet uns einen Besuch ab und kassiert Eintritt: 50 Kuna pro Person (7 EUR), die Eintrittskarten gelten 2 Tage lang. Unsere kroatischen Mädels handeln mit ihnen aus, dass wir nur für sieben Personen bezahlen.
Beim letzten richtigen Wind stellen wir unseren Geschwindigkeitsrekord auf: 8,2 Knoten! Für eine Bavaria wahrscheinlich gar nicht schlecht :-)

Gegen Nachmittag legen wir in der Uvala Cuška Duboka / Telašcica-Bucht (Dugi Otok) an dem außergewöhnlichsten Liegeplatz unseres Törns an: direkt an einer steilen Felswand an einem Liegeplatz, der wohl eine Einrichtung der Marine ist. Während ein paar von uns eine weitere Beiboot-Expedition zu einem nahegelegenen Berg starten, bereiten uns Katrin und Rose Pizza und Nudeln zu. Lecker!

Während die Sonne untergeht begeben wir uns aufs offene Meer, um westlich von Dugi Otok Kurs auf Mali Lošinj zu nehmen. Der Wind schläft gegen Mitternacht völlig ein, wir fahren bis 6:30 unter Motor. Nach anfänglichem Unwohlsein mancher Crew-Mitglieder (und der Einnahme diverser Mittel gegen Seekrankheit) begeben sich doch irgendwann alle unter Deck und schlafen bis zum nächsten Vormittag. Die Nachtwachen gestalten sich unspektakulär: ganze drei Fähren und etwa nochmal soviel sonstige Schiffe kommen bei Nacht in Sicht.


17.09.2003

Am frühen Nachmittag erreichen wir Mali Lošinj und genießen die erste richtige Dusche seit Törnbeginn. Wir besichtigen den Stadthafen, essen (italienisch) und kaufen Proviantnachschub. Wir füllen die Wassertanks. Die Marina Mali Lošinj kostet uns 52 EUR Liegegebühr.

Zurück in der Marina.

Wir beschließen den Abend mit reichlich Cuba libre und Wodka-O.


18.09.2003

Nachdem wir Mali Lošinj durch die (einmal morgens und abends geöffnete) Drehbrücke verlassen haben frühstücken wir bei Windstille und unter Autopilot. Wir wundern uns über Schwapp-Geräusche und stellen fest, dass unsere Bilge randvoll mit Wasser ist. Was war passiert? Die Ursache ist schnell gefunden: gestern wurde einer der Wassertanks (unter dem Bett in der Backbord-Achterkoje) zur Überprüfung des Füllstands geöffnet und der Deckel des Tanks nicht wieder richtig verschlossen. Beim Befüllen des Tanks lief dieser Behälter über, wir haben unsere Bilge also mit sicherlich 500 - 1000 Liter Frischwasser befüllt. Wir lenzen mit der elektrischen Bilgenpumpe (die seltsamerweise nicht automatisch anspringt) und nehmen zusätzlich die Handlenzpumpe zu Hilfe, nach einer guten Stunde ist die Bilge wieder weitgehend leer.

Und wieder ein Tag mit Bikini-Temparatur! Es wird jeden Tag etwa ein Grad wärmer (leider wird der Wind auch jeden Tag etwas weniger).

Wir sichten (zum zweiten Mal, aber zum ersten Mal mit Beweisfoto) Delfine! Am Abend ankern wir in der Uvala Hrvatin (Insel Sestrunj), wir stecken zur Sicherheit 60 Meter Kette. Nach einer Tauchprüfung scheint der Grund sandig zu sein. Karsten und Julian kochen Gemüsereis, als Vorspeise gibt es Knoblauchbrot. Jan versucht sich an Pudding, der, wenn auch etwas verklumpt (muss wohl an dem kroatischen Pudding-Pulver liegen), durchaus lecker ist.


19.09.2003

Obwohl wir mehr oder weniger ungeschützt "auf dem offenen Meer" geankert haben liegen wir am nächsten Morgen noch am selben Ort. Wir versuchen die Fische zu fotografieren, die rund um unser Boot immer wieder ca. einen halben Meter hoch aus dem Wasser springen, erwischen aber keinen so richtig.

Unser letzter Badestop in der Uvala Kobiljak (Insel Pašman).

Jan unternimmt eine Beiboot-Expedition zur "Toilette".

Gruppenfoto (v.l.n.r.: Aurélie, Ružica (aka Rose), Juliane, Ljubica, Katrin, Karsten, Jochen, Julian, Jan. Im Wasser: Felix)

Karsten befreit tauchenderweise den Loggegeber von Bewuchs. Und tatsächlich: die Logge funktioniert nun wieder! Allerdings zeigt sie eine sehr viel geringere Geschwindigkeit an als unser GPS...

Wieder hauptsächlich unter Motor gehts zurück in unseren Heimathafen, der Marina Hramina (Insel Murter). Wir tanken; der tatsächliche Verbrauch lag bei etwa 3 Liter pro Stunde, und nicht etwa 8 Liter, wie vom Vercharterer angegeben. Wir treffen zufällig den Eigner der Yacht, der uns erklärt, was es mit den 8 Litern angeblichem Verbrauch auf sich hat: einige Gäste überlassen es am letzten Abend wohl dem Tankwart, die Yacht zu betanken, weil sie schnell unter die Dusche wollen. In diesem Fall wird dann wohl einfach die doppelte Menge Diesel berechnet, quasi als Aufwandspauschale. Also besser immer selbst tanken...

Wir suchen uns ein Restaurant in Murter, um die letzten Kunas loszuwerden (und da niemand mehr Lust zu kochen hat).


20.09.2003

Check-Out. Wir teilen die festgestellten Mängel mit: Logge defekt (gewesen), Motorbetriebsstundenzähler defekt, Bilgenpumpe springt nicht automatisch an, Beiboot verliert sehr schnell Luft, Wassertanks ziemlich verdreckt, Zweifarbenlaterne hat Wackelkontakt, Dampferlicht geht gar nicht, Notraketen sind abgelaufen, Rollfockkasten klemmt gelegentlich, kein Barometer und Windinstrument vorhanden (obwohl sie dies laut Ausrüstungsliste sein sollten). Bei einem Charterpreis von 3110 EUR (für eine Woche in der Nebensaison) hätten wir eigentlich einen einwandfreien Zustand erwartet, dem Törn und der Stimmung an Bord hat es aber nicht geschadet.

Wir treten die Heimreise an...

...und betrachten ein letztes Mal die karge Felslandschaft der kroatischen Küste.

Eine schöne Törnwoche geht zu Ende. Für Mitte September hatten wir traumhaftes Wetter (am Ende waren es 28 Grad), die durchschnittlichen zwei Tage Gewitter in dieser Zeit wurden uns erspart. Gegen Ende gab es leider zu wenig Wind, so dass von den 212 Seemeilen über 100 unter Motor zurückgelegt wurden.

Die technischen Mängel hätten zwar nicht sein müssen, der Stimmung in der traumhaften Umgebung der Kornaten und der anderen Inseln haben sie aber nicht geschadet. Die Crew ist bis zum Ende prima miteinander ausgekommen (wann hat man das schon bei 10 Leuten auf engstem Raum), und fast genauso erstaunlich: niemand ist seekrank geworden!

Geschrieben von Karsten

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Technische Daten:

Boot:
Bavaria 50, BJ '99
LüA: 15,43 m
Breite: 4,55 m
Tiefgang: 2 m
Masthöhe: 19,83 m
Verdrängung: 13 t
Motor: Volvo 57 kw
Dieseltank: 225l (Verbrauch 3 l/h)
Wassertank: 2 x 300 l
Rollgroß: 42,5 m²
Rollgenua: 76,5 m²
5 Kabinen (3 x Doppelbett, 2 x Stockbetten)
3 Toiletten, 2 Duschen, Heckdusche
Raytheon GPS/Radar/Autopilot/Log/Lot
NAVTEX
UKW-Sprechfunkgerät (ohne DSC-Controller, in Kroatien scheint dies nicht üblich zu sein) - mir ist noch immer schleierhaft, wieso in Kroatien ein Sprechfunkzeugnis vorgeschrieben ist (im übrigen wurde ich nie nach irgendeinem Schein gefragt). Marinas werden nicht angefunkt, und für den Notfall wurde uns empfohlen per Handy bei Canopus anzurufen. Außer zum Abhören des Wetterberichts (solange unser NAVTEX noch nicht richtig eingestellt war) haben wir es nie benutzt.

Literatur zur Törnvorbereitung:
Kroatien. Buchten, Ankerplätze, Häfen, Landgänge von Volker Lipps. Brauchbar, deckt in der aktuellen Ausgabe auch die gesamte Küste bis tief in den Süden ab. Die Kornaten kommen vielleicht etwas zu kurz.
Diverse Törnberichte und Revierinfos von www.yacht.de
Die sehr informative und ständig aktualisierte Seite www.skippertipps.de
Verschiedene Ausgaben von "Yacht" und "boote" (dort erscheinen immer wieder Artikel über die Kornaten, insbesondere werden neu entdeckte Konobas vorgestellt)
Hafenhandbücher Mittelmeeer (an Bord)

Vercharterer:
Canopus Charter, Murter (Marina Hramina).
Gebucht über Adriagate
Abwicklung über AYC Yachtcharter, München.